[1907]
Autograph: Zürich StA, E II 357, 72f (ohne Siegel); [Beilage:]1 E II 357a, 708 (Siegel) Teildruck und zusammenfassende Übersetzung: Blarer BW II 256f, Nr. 1084
Ein kaiserlicher Bote wollte dem im Thurgau unweit von Konstanz wohnhaften, zu dem Zeitpunkt
abwesenden kaiserlichen Hauptmann Jörg Knöringer einen Brief mit Geld übergeben,
wurde aber aufgegriffen, nach Frauenfeld geführt und nach Abnahme des Briefes und Geldes
freigelassen. Nun befürchtet man, dass Kaiser (Karl V.] dies als Vorwand für einen Krieg
gegen die Eidgenossen nehme; vielleicht wurde das gar zu diesem Zweck inszeniert; daher soll
man den Landvogt [Melchior Heinrich] zur Rückgabe des Geldes und Klärung der Sache
bewegen. Es wäre rechtmässig, Knöringer aufgrund seiner kriegerischen Gesinnung auszuweisen.
Klärung der Botenfrage. Wartet auf Bullinger . [Beilage:]Befürchtet,
dass der von Speyer herbeigeeilte Knöringer dort die Sache meldet und so das Unheil seinen
Lauf nehmen könnte; auch der möglicherweise geplante Angriff auf einen Weinberg in Tägerwilen,
der einem anderen Kaiserlichen, Sigmund von Landenberg, gehört, könnte Unruhe
stiften. Die Reichsstädte unternehmen nichts gegen die Eidgenossen; zu überprüfen wäre, ob
im Schreiben der Reichsstände die Reichsstädte unter den Absendern angeführt sind. Weiter
wird berichtet, dass bei Zabern für einen Zug gegen Frankreich gemustert wird; der Herzog
[Anton II.] von Lothringen erlaubt den Durchmarsch. Die Stände auf dem Reichstag [zu
Speyer]können sich nicht einigen, ob sie selbst oder die Bürger für die Hilfe gegen Frankreich
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Fürgeliepter herr und vertrauwter bruder.
Es sytzt yetzund ain edelman, ist ain lediger 2 Knöringer, genant Jörg Knöringer 3 im Turgöw, nitt weyt von unser statt uff der Blaicke 4 ; ist vor allweg ain frantzösischer hoptman gewesen und rych by dem Frantzosen 5 worden. Yetzund aber ist er kaiserisch und diß nechstverruckt tag 6 widerum dem kaiser 7 zu in den krieg geritten. Nun ist uff gestert ain kaiserischer bott 8 komen für 9 sein huß; ist die frauw 10 nitt anhaim gewesen. Der bott aber hat brieff an inn gehapt mitt gellt, und ist ainer 11 von Altnouw im Turgöw 12 da fürgangen, hat den potten anfachen fragen, was er da schaffe; der hat im von der sach gesagt, von deren wegen er da sey. Das hat der paur von Altnouw in sin or genommen, ist gen Creutzlingen kommen, hats da ettlichen anzögt, under denen ouch ain landtgricht knecht 13 gewesen. Wie nun der bott, nach dem er ain weyl bey dem hauß gewartet hat und nieman kommen, widerum
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der statt zu gangen und gen Creutzlingen kommen ist, hat man inn angenommen 14 und gen Frowenfeld gefüret, im allda den brieff und das gellt genommen und inn faren lassen etc. 15 Davon ist nun vyl und mancherlay sag 16 und rechnung 17 , das ettlich sorgend, dis sach möcht ain anfang sein ains gantzen Schwytzerkriegs und der kaiser werde es dahin deuten, das die aidgnossen den ersten angriff thon und inn zum krieg geraitzt habind; ja sy wellend achten, seye des gellts nitt sonders vyl (wie wirs dann noch nitt wissen mögend), so söllte es wol allso ain angelegte 18 sach sin, das man vyllicht a ain anlasß habe geben wellen. Und diewyl ich solichs gehört und vernommen, das diß sach ouch von verstendigen alls weyt ermessen 19 wurt, wollt ich euch solichs unverzogelich anzögen, dann es möchte gut sein, das mitt dem landtvogt 20 furderlich 21 verschafft 22 wurde, damitt er den brieff und das gellt des Knöringers frauwen zustallte mitt anzögung, diewyl sich der bott etwas argwönig erzögt, hab ime ampts halb in disen löffen 23 gepüren wellen, me ze rechtfertigen 24 etc., wie dann wol war ist etc. Darmitt keme man mitt glympff 25 uß der sach; dann sollte vyllicht der kaiser oder ander leut von desßwegen den aidgnossen schreiben und sy erst allsdann verschaffen, das das gellt und der brieff widergeben, wurde etwas schympflich sein und allerlay red geperen, allso das es den andern weg vyl geschickter und glympfigere 26 were. ||73 Es tragend ouch ettlich verstendig heut sorg 27 , diß handlung sollte wol ursach geben, das yetzund die straiffenden reuter im Hegöw 28 hin und wider gegen den eweren, so dann die merckt besuchend, ouch solichs fürnemend und handelten, und allso bald auß ainem geringen anfang großer unrath enstönde.
Daneben aber hette man gut fug und recht, das man dem Knöringer sagen liesße: Die weyl er dermassen zu kriegen gesynnet, das er dann da hinweg zieche und sein haushablich wesen anderschwa 29 hette, und man der frauwen bevelch, das sy sich da dannen thäte.
Wellt mir diß mein schreiben zu gut halten. Ir hapt mir bevolchen, zewachen und nichts ze sparen am botten lon. 30 Diewyl mich dann diß sach ouch für etwas wichtigs angesechen, hab ichs euch unverzogenlich wellen zu wissen thain, dann ewern schaden zu warnen und wenden, byn ich von hertzen genaigt. Wann ir mir aber den bevelch widerum uffsagend 31 oder
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mitt anderer maaß leuterend, das ich waiß, wie und in waß sachen ich euch allweg aigen botten schicken soll, will ich mich allerding darnach richten.
Datum in grosser yl, Costentz, den 5. may um drey ur nach mittag anno 1544.
B. A.
Der andern botten bin ich uff morn mitt bschaid widerum von euch wertig. 32
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Diser Knöringer ist ylends heruff von Spyer postiert 33 und ain rosß zu tod geritten, und zu besorgen, wann im diß mär nach kommen, werde b er glich widerum [y]lends c gen Spyr postieren, brieff ausß bringen 34 oder vyllicht bevelch, das er etwan aidgnossen ouch angriffe; damit wurde sich dann alls unglick anheben. Daneben sagt man, das man Sigmunden von Landenberg 35 , der dann yetz ouch von hinnen dem kaiser zu enweg zogen d 36 wider miner herren satz und verpott, ainen wyngarten zu Tegerwylen im Turgöw 37 anfallen 38 welle, und die weyl diser Sigmund den aidgnossen flirt verwandt, ouch diser wyngart nitt sein, sonder seiner hausfrauwen 39 , ist zu besorgen, es möchte ouch etwas unrath daruß erwachsen. Were gut, das man in sölichem behut[s]am und gewarsam handelte.
Item es hat mir ain fürnemmer mann yetzund zugeschriben, 40 die reychstett werden wider die aidgnossen nichts handlen, habend ouch nitt wellen mittschreiben. Ausß welchen worten mögt ir selbs inferieren, was der anderen halb zu gedencken seye. Es were ouch wol achtzuhaben, ob die stett
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in sonderhait in dem schreiben an die aidgnossen, von stenden beschechen 41 , in der subscription ausgetruckt seyen oder nitt etc.
Er schreibt weyter, zu Zabern 42 werde man musteren und von dannen den zug in Franckreich nemmen; der hertzog von Lutringen 43 wurt den basß geben 44 45 . Gott schicks alles zum besten etc.
Die sach uff dem rychstag 46 steht yetz uff dem, das die stend sich nitt verglichen konnen, ob die bewilliget hilff wider Franckreych von den oberkaiten uss irem seckel bezalt oder uff den gmainen man gelegt solle werden. Brandenburg 47 , Mentz 48 und Triern 49 wellends auff den gmainen man schlachen, die andern drey 50 churfürsten ausß irem seckel, der mehrtail aber der stett ouch uff den gmainen mann; die andernn fursten beratschlagens noch. 51 Unsers lieben herrgots wirt e uff dem tag nienen 52 gedacht; aber er wurt sy 53 wol mitt der that ain mal erzögen, das sy innen werden, er seye danecht on ir beschriben 54 da gewesen. f
[Adresse auf der Rückseite:]g Praestanti pietate et eruditione viro d. Heinricho Bullingero, suo venerando atque longe charissimo fratri.